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Raum-zeitliche MobilitÄtsanforderungen als Hemmnis beruflicher Karrieren von Frauen in Wirtschaft und Wissenschaft – Strategien zu ihrer Überwindung

Zielsetzungen/Problemstellung

Globalisierung und Internationalisierung haben in vielen Bereichen von Wirtschaft und Wissenschaft zu deutlich erhöhten Anforderungen an die Mobilität und Flexibilität von Arbeitskräften geführt. Das gilt insbesondere für hochqualifizierte Personen: Große Unternehmen erwarten (nicht nur) von angehenden Spitzenkräften die Bereitschaft zum Einsatz in unterschiedlichen, räumlich entfernt liegenden Unternehmensteilen; von (hochqualifizierten) Beschäftigten in kleineren Unternehmen werden entsprechende Erfahrungen durch die Arbeit in unterschiedlichen Unternehmen erwartet. In der Wissenschaft ist räumliche Mobilität durch das Verbot von „Hausberufungen“ sogar rechtlich kodifiziert. Durch die wachsende Bedeutung projektorientierter Organisation beruflicher Arbeit, aber auch durch das nicht zuletzt mit der ökonomischen Globalisierung einhergehende steigende Risiko eines betriebsbedingten Arbeitsplatzverlusts wird räumliche Mobilität für immer mehr Erwerbstätige eine stetige Anforderung.

Diese Anforderungen stehen in einem zumindest tendenziell konflikthaften Verhältnis zu den Anforderungen der privaten Lebensführung, insbesondere der Entwicklung stabiler sozialer Beziehungen und einer für die persönliche Entwicklung nicht unwichtigen „Verortung“, für die feste räumliche Bezugspunkte eine nicht zu unterschätzende Bedeutung haben. Aus den räumlichen Bezugspunkten und Zeitstrukturen von PartnerInnen und Kindern, aber auch aus den Beziehungen zur Herkunftsfamilie, zu FreundInnen und Bekannten, zu Vereinen und Organisationen und auch zu „Räumen“ entsteht für jede und jeden ein individuelles raum-zeitliches Bezugsystem, das eine örtliche Vertrautheit und Verbundenheit erzeugt, deren Aufgabe erhebliche materielle und immaterielle Migrationskosten verursacht. Soziale Bindungen am Wohnort haben sich in der Migrationsforschung als ein bedeutsames Migrationshemmnis erwiesen, auch Wohnungseigentum ist eine bedeutende Determinante von Wanderungsentscheidungen.

Die bisher vorliegenden (spärlichen) empirischen Ergebnisse legen die Vermutung nahe, dass die raum-zeitlichen Mobilitäts- und Flexibilitätsanforderungen beruflicher Karrieren von Frauen auf Grund geschlechtsspezifischer raum-zeitlicher Rahmenbedingungen in Paar- oder Familienhaushalten schwerer erfüllt werden können als von Männern und dass Frauen darüber hinaus von Personalverantwortlichen in wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Organisationen eine geringere raum-zeitliche Mobilitäts- und Flexibilitätsbereitschaft unterstellt wird. Andererseits ist jedoch angesichts zunehmender Komplexität raum-zeitlicher Mobilität und Lebensformen anzunehmen, dass das Modell, das Frauen die Rolle derjenigen zuweist, die mit ihrem Partner mitzieht („tied mover“) bzw. wegen eines Partners auf einen Ortwechsel (und damit möglicherweise auf eine berufliche Chance) verzichtet („tied stayer“), inzwischen brüchig geworden ist.