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Raum-zeitliche MobilitÄtsanforderungen als Hemmnis beruflicher Karrieren von Frauen in Wirtschaft und Wissenschaft – Strategien zu ihrer Überwindung

Fragestellungen

Im Zentrum des Forschungsprojekts steht die Frage nach dem Mobilitätsverhalten von hochqualifizierten Frauen, seinen Bedingen und Folgen sowie seinen Auswirkungen auf die berufliche Entwicklung der Frauen. Dabei werden u.a. folgende Fragen untersucht: Von welchen Faktoren hängt die Mobilitätsbereitschaft ab? Welche Rolle spielen Partnerschaft und/oder Mutterschaft? Wie werden Konflikte auf grund widerstrebender räumlicher Interessen zwischen den beteiligten Familienangehörigen (Partner/in, Kinder, Eltern) gelöst? welche Bedeutung haben sonstige örtliche Bindungen z.B. auf Grund von Wohnungseigentum und/oder sonstigen räumlichen Präferenzen? Wie stark wirkt sich eine geringe räumliche Mobilität auf die berufliche Entwicklung aus bzw. inwieweit führt hohe beruflich bedingte räumliche Mobilität zu beruflichem Erfolg? Wie schätzen dies hochqualifizierte Frauen ein? Welche Strategien entwickeln sie, um die Interessenskonflikte zwischen beruflichen Mobilitätsanforderungen und privater Lebensführung zu überwinden?

Untersucht werden soll auch der Einfluss der unterschiedlichen Tätigkeitsfelder auf das Mobilitätsverhalten, zumal diese als Indikatoren für die Mobilitätsanforderungen bzw. –erwartungen in unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen gelten können.

Um die Bedeutung der genannten Einflussfaktoren herausarbeiten zu können, konzentrieren wir uns auf eine Gruppe hochqualifizierter Frauen, die einige Gemeinsamkeiten aufweisen: Untersucht wird das Mobilitätsverhalten von Frauen mit überdurchschnittlicher akademischer Qualifikation, nämlich einer Promotion bzw. einer Habilitation in einem natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Fach. Diese Disziplinen haben wir ausgewählt, da sie immer noch als stark männlich konnotiert gelten, obwohl in einigen naturwissenschaftlichen Disziplinen (Pharmazie und Biologie) inzwischen mehr Frauen als Männer promovieren. Insgesamt bilden jedoch Frauen auch in den Naturwissenschaften unter den Promovierenden eine Minderheit. Noch stärker ist dies in den Ingenieurwissenschaften ausgeprägt.

Kontrastierend zum Mobilitätsverhalten untersuchen wir die Mobilitätserwartungen in Wirtschaft und Wissenschaft. Inwiefern gehen die Unternehmen und Organisationen bei ihren raum-zeitlichen Mobilitäts- und Flexibilitätsanforderungen immer noch von der Vorstellung von einer (männlichen) Führungskraft mit einer unterstützenden Partnerin ohne eigene (berufliche) Interessen aus? Welche Erfahrungen machen Unternehmen und Organisationen mit veränderter Mobilitäts- und Flexibilitätsbereitschaft und –verhalten ihrer Führungskräfte und wie gehen sie damit um? Welche Konzepte und Maßnahmen zur Berücksichtigung individueller (lebensphasenspezifischer) Bedürfnisse sind inzwischen entwickelt worden und welche Rolle spielen dabei geschlechtsspezifische Differenzierungen? Eine weitere Frage gilt den branchen- und tätigkeitsspezifischen Unterschieden.

In einer weiteren Kontrastierung zu der Untersuchung hochqualifizierter Natur- und Ingenieurwissenschaftlerinnen wird das Mobilitätsverhalten von zwei Bevölkerungsgruppen untersucht, die bezüglich ihrer Ausbildung und Tätigkeitsfelder heterogen sind, jedoch hinsichtlich ihrer Mobilitätserfahrung zwei Gruppen zugeordnet werden können: Zur ersten Gruppe gehören die Personen, die in den letzten fünf Jahren in eine von drei ausgewählten Großstadtregionen zugezogen sind (die Zugezogenen), die zweite Gruppe umfasst die Personen, die seit mindestens zehn Jahren in einer der drei Großstadtregionen leben (die Langansässigen). Hierbei sollen vor allem zwei Fragen untersucht werden: Unterscheiden sich die Zugezogenen hinsichtlich ihrer Lebenslagen und Lebensformen sowie in ihrer beruflichen Entwicklung von den Langansässigen? Lassen sich hier berufliche Vorteile der räumlichen Mobilität feststellen? Oder ist die Zugehörigkeit zur Gruppe der Langansässigen bzw. der Zugezogenen eher altersbedingt und deshalb kein Indikator einer höheren oder geringeren Mobilität?
In diese Befragung werden Frauen und Männer einbezogen, um die Frage zu klären, ob und wie sich Frauen und Männern hinsichtlich der untersuchten Fragen unterscheiden.

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