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Raum-zeitliche MobilitÄtsanforderungen als Hemmnis beruflicher Karrieren von Frauen in Wirtschaft und Wissenschaft – Strategien zu ihrer Überwindung

MobilitÄtserwartungen von Wirtschaft und Wissenschaft - erste Ergebnisse

Wirtschaft und Wissenschaft werben inzwischen offensiv um weibliche Fach- und Führungskräfte und betonen ihr Interesse, mehr Frauen in Führungspositionen bringen zu wollen. Ein geringer Anteil von Frauen in Führungspositionen ist legitimationsbedürftig geworden. Führungskräfte werden überwiegend im eigenen Unternehmen entwickelt und aus den eigenen Reihen rekrutiert. Unternehmensinterne Beweglichkeit, also die Bereitschaft zu mehrfachem Positions- und Bereichswechsel, wird positiv bewertet und von Führungskräften mit weiteren Karriereambitionen auch erwartet. Arbeitgeberwechsel werden branchen- und funktionsbereichsspezifisch unterschiedlich eingeschätzt. Auslandsaufenthalte gewinnen in einigen Branchen an Bedeutung.

MobilitÄtserwartungen sind abhÄngig von den Funktions- und TÄtigkeitsbereichen

Die Art und Häufigkeit der Mobilitätsanforderungen an hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte ist in hohem Maße abhängig von den Funktions- und Tätigkeitsbereichen, so das Ergebnis unserer qualitativen Befragung von Vertreter/innen von Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen zu ihren Mobilitätserwartungen und -konzepten. In kaufmännisch-verwaltenden Funktionen wie Finanzen/Controlling oder im Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sind die Mobilitätsanforderungen deutlich geringer als in kundenorientierten Funktionsbereichen.

Unternehmen beobachten lebensphasenspezifische Unterschiede im MobilitÄtsverhalten bei Frauen und MÄnnern

In der Wahrnehmung der Unternehmensvertreter/innen ist die Bereitschaft, aus beruflichen Gründen umzuziehen bzw. nicht umzuziehen, zunächst unabhängig vom Geschlecht der Kandidat/innen. Berichtet wird hingegen von lebensphasenspezifischen Unterschieden: Danach sind sind Fach- und Führungskräfte ohne Kinder eher mobilitätsbereit; sind Kinder vorhanden, nehmen die von uns befragten Expert/innen Einschränkungen in der Mobilitätsbereitschaft bei beiden Geschlechtern wahr, allerdings bei Frauen häufiger. Nach der Familienphase steigt dann die Mobilitätsbereitschaft wieder.
In Bezug auf Auslandsmobilität wird berichtet, dass in den allermeisten Fällen die klassische Arbeitsteilung herrsche: Der Hauptverdiener Mann übernimmt den Auslandsjob, die Ehefrau zieht mit und übernimmt die Familienarbeit. Zunehmend mehr potenzielle Expatriates hinterfragen kritisch die Folgen eines Auslandseinsatzes für ihre weitere Karriere; viele müssen auf eine/n berufstätige/n Partner/in Rücksicht nehmen. Daher spüren die von uns befragten Unternehmen teilweise Problemdruck, geeignete Kandidat/innen für einen Auslandseinsatz zu gewinnen. Hochqualifizierte Beschäftigte beiderlei Geschlechts, die nicht (mehr) in hohem Maße mobil sein wollen, orientieren sich inhaltlich anders (Wechsel in interne Abteilungen o. ä.), nehmen dafür bewusst auch einen „Karriereknick“ in Kauf und richten sich in einer horizontalen beruflichen Entwicklung zufrieden ein. Die befragten Unternehmensvertreter/innen nehmen das häufiger bei Frauen wahr, betonen aber, dass auch viele Männer zu Gunsten von familiären, sozialen und regionalen Bindungen auf weiteren beruflichen Aufstieg verzichten. Eine geringere Mobilitätsbereitschaft gibt es offenbar zunehmend auch bei Männern im Fall einer Pflege- bzw. Betreuungsbedürftigkeit von Familienangehörigen.

MobilitÄtsanforderungen sind stark disziplinabhÄngig

Die von uns befragten Expert/innen aus renommierten naturwissenschaftlichen und lebenswissenschaftlichen Einrichtungen betonen, dass sich die Mobilitätsanforderungen ihrer Disziplinen von anderen Fächern zum Teil deutlich unterscheiden, was die Ergebnisse unserer Befragung von Naturwissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen bestätigt. Wissenschaftler/innen sind teilweise abhängig von der beruflichen Mobilität ihrer Forschungsgruppenleitung, Arbeitsaufenthalte an anderen Forschungseinrichtungen im In- und Ausland sind zur Nutzung hochspezialisierter Anlagen und Labors für die eigene Forschung notwendig. Auslandsaufenthalte in angesehenen Wissenschaftseinrichtungen gelten als notwendig, um wissenschaftliche Reputation aufzubauen, ebenso wie Reisen zu Tagungen im In- und Ausland. Letztere Anforderung wird aber nach Aussage der Expert/innen in der Regel nicht als Belastung, sondern als Chance und Anerkennung erfahren.

Das Hausberufungsverbot erfordert rÄumliche MobilitÄt in einer relativ spÄten Lebensphase

Der Ruf auf eine Professur ist ebenfalls meistens mit einem Umzug bzw. der Etablierung eines zweiten Wohnsitzes verbunden, da Hausberufungen bei akademischen Karrieren die Ausnahmen sind. Forscher/innen mit dem Ziel Professur stellen die Mobilitätsanforderungen im Verlauf ihrer Karriere offenbar nicht in Frage. Die Expert/innen betonen allerdings, dass die Hauptbelastung während der wissenschaftlichen Karriere weniger die räumlichen als die zeitlichen Flexibilitäts- und Verfügbarkeitsanforderungen sind. Neue Perspektiven mit geringeren Mobilitätsanforderungen bieten Karrieren im Wissenschaftsmanagement: Hier werden zunehmend mehr hochqualifizierte Dauerstellen auf mittlerem Niveau geschaffen.

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