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Zeitliche FlexibilitÄt von FÜhrungskrÄften – Handlungsempfehlungen zur Minderung der Risiken

Reduktion der Entgrenzung von Arbeit

Die zunehmende zeitliche Entgrenzung von Arbeit bietet auf der einen Seite Chancen durch höhere Arbeitszeitflexibilität, birgt zugleich jedoch hohe Risiken. Insbesondere hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte sind durch die überbordenden Anforderungen an ihre Verfügbarkeit – auch an Wochenenden und im Urlaub – teils in ihrer psychischen Gesundheit erheblich gefährdet. Führung über Zielvereinbarungen, einseitig den betrieblichen Erfordernissen unterliegende Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Arbeitsorten, Mobilitätsanforderungen und zunehmender Konkurrenzdruck haben Burn-out und psychische Erkrankung zu verbreiteten Phänomenen werden lassen.
Hier müssen Unternehmen aktiv an einer Kultur arbeiten, die klare Orientierungen für Mitarbeiter/innen schafft und sie bei der Eingrenzung von Allzeit-Verfügbarkeit unterstützt

Dabei stellt sich auch für hochqualifizierte Akademiker/innen zunehmend die Frage einer organisierten Interessenvertretung. Die Gewerkschaften sind hier noch nicht immer so aufgestellt, dass hochqualifizierte Angestellte oder (halb-)selbständige Hochqualifizierte, vor allem auch hochqualifizierte Frauen, in ihnen natürliche Bündnispartnerinnen sehen würden. „Gute Arbeit“ für alle Beschäftigten setzt voraus, dass Fach- und Führungskräfte „gute Arbeit“ als Leitbild leben und ermöglichen können. Dazu gehört auch das Leitbild einer gelingenden Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Psychische Erkrankungen und Burn-out sind als strukturelle Risiken nur auf der Ebene von Arbeits- und Organisationsgestaltung und der Betriebskulturen zu mindern. Individuen allein sind damit häufig überfordert. Insofern könnten diese Phänomene ein Ansatzpunkt sein, die Chancen kollektiver Interessenvertretung auch solchen Beschäftigungsgruppen zu vermitteln, die eher individuelles Handeln und individuelle Interessenvertretung bevorzugen.